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Vom Unterwegs-Sein in Vietnam
Dalat/Vietnam (7. November). Noch nie habe ich mich tatsächlich so auf Reisen gefühlt wie hier. Das liegt sicher daran, dass ich in den vergangenen drei Wochen nirgendwo länger als drei Tage übernachtet habe, manchmal auch nur eine Nacht.
Und auch daran, dass ich inzwischen so alle denkbaren und verfügbaren Verkehrsmittel durch habe - bis aufs Flugzeug, aber das kommt morgen, da fliege ich von Dalat (das liegt in den Ausläufern der Central Highland, ziemlich weit südlich) nach Saigon, weil ich, wie ich im Folgenden schildern will, von den anderen Möglichkeiten, lange Strecken zurück zu legen, ein bisschen die Nase voll habe.
Ich bin natürlich in den Städten und im Nationalpark immer viel zu Fuß unterwegs gewesen. Auch manche Vietnamesen scheinen lange Wege zu Fuß zu gehen, am Rande großer Straßen, außerhalb der Orte, sieht man immer mal wieder Fußgänger.
Das Fahrrad
Fahrräder habe ich mir mehrmals ausgeliehen, zuletzt in Nha Trang. Das ist das "Nizza" des Landes, ein sehr schöner, etwa fünf Kilometer langer Sandstrand, Palmen-bestanden, an dem ich drei erholsame Tage, ohne jegliches Sightseeing verbracht habe. (...)
Boot bin ich auch schon mehrfach gefahren, zum Beispiel in der Halong Bay, östlich von Hanoi, Richtung China, und in Hoi An, in der Mitte des Landes, auf einem kleinen Fluss.
Aber ich war ja beim Fahrrad. Natürlich habe ich mich auch per Fahrrad-Rischka herumfahren lassen, in Hanoi vor allem. Denn da mochte ich wegen des unglaublichen Verkehrs nicht selbst radlen. Es ist eine nette Art, ganz gemächlich voran zu kommen, schneller als zu Fuß und weniger rasant als Motorrad.
Während es in Hanoi vor allem Rikschas zum Touri-Transport gab, habe ich in anderen Teilen des Landes auch etliche Einheimische in diesen Gefährten gesehen. Und ihr glaubt nicht, was die Menschen alles auf Lasten-Fahrrädern transportieren! Schränke, ganze Familien, Holz, Glasscheiben, Sandsäcke, Ziegelsteine, eingetüte Goldfische, Hühner, Enten... (Ähnlich gilt das übrigens auch für Motorräder - denn die wenigsten hier können sich ein Auto leisten, daher muss alles, was von A nach B soll, irgendwie auf zwei Rädern chauffiert werden).
Das Motorrad
Dann das Motorrad: Ein Transportmittel, dass man hier irgendwann doch nicht umgehen kann... Im Cuc Phuong Nationalpark bin ich per Motorrad bis ins Zentrum des Parks gebracht worden und heute, hier in den Bergen, habe ich ein wenig Sightseeing mit einem "Easy Rider" gemacht, wie sich die Motorrad-Guides hier in Dalat nennen.
Das war in meinem Fall ein etwas älterer, rundlicher (und kleiner!) Vietnamese, der recht gut Englisch konnte und immer wieder das hübsche deutsche Wort "wunderschön" in die Unterhaltung über die Landschaft einstreute. Da sein eigentlicher Name für westliche Zungen etwas schwer ist, lässt er sich "Buddha" nennen - die Figur passt und auch das Gemüt (fast immer kichernd) kommt dem eines "Happy Buddha" ziemlich nahe.
Buddha hat mich also durch die unglaublich grüne Landschaft gefahren, vorbei an Feldern mit unglaublich roter Erde, ein unglaublicher Kontrast!! Ich habe eine Pagode besichtigt, ein Kloster, das das zentrale für buddhistische Studien hier im Land ist, einen Sommersitz des letzten Kaiser Bao Dai, ein Minderheitendorf, in dem es ziemlich staubig war (keine befestigten Wege, nix) und wurde auf einen kleinen Spaziergang durch einen Pinienwald geschickt.
Der Bus
In die Kategorie Auto fallen Taxi und Jeep, aber das ist ja nicht so spannend, genauso wenig wie Minibus. Interessanter ist dann schon das Busfahren. Einmal bin ich bislang mit einem "local bus" gefahren, von Hanoi in Richtung Nationalpark. Da war ich die einzige Ausländerin im Bus und keiner sprach Englisch.
Vor der Abfahrt spielte sich folgendes ab: Ein Mann mit Bärtchen und weißem Oberhemd stieg ein und zeigte irgend eine Art offiziellen Ausweis vor, den er am Band um den Hals trug und quasselte unaufhörlich. Dann zeigte er Tüten mit eingeschweißten getrockneten Kräutern und Pilzen vor und schien sie auf das Größte anzupreisen.
Etliche Fahrgaeste im ziemlich gut gefüllten Bus hörten aufmerksam zu, ließen sich die Päckchen zur Ansicht reichen. Der Mann redete und redete und fing dann irgendwann an, Geld einzusammeln von denen, die sich zum Kauf entschlossen hatten. Kurz darauf keifte jemand von hinten aus dem Bus irgendwas (ich saß in der 2. oder 3. Reihe) und eine Frau rechts von mir fing an, dem Händler ihr Geld, dass er noch nicht eingesteckt hatte, aus der Hand zu zerren und ihn wild zu beschimpfen.
Als von weiter hinten noch jemand sein Geld zurück wollte und die Frau von vorne und ein Mann vor ihr begannen, mit ihren Päckchen auf ihn einzuschlagen, hat er die Flucht ergriffen und ist aus der noch offenen vorderen Bustür gesprungen - unter einem Chor von Beschimpfungen (nehme ich an). Das wird ein rechter Scheiß gewesen sein, den er da so wortreich angepriesen hat... War also auch ohne Vietnamesisch zu verstehen, sehr unterhaltsam.
Highway to Hell
Weniger unterhaltsam, sondern ziemlich schrecklich war eine 12 Stunden Nachtbusfahrt von Hoi An nach Nha Trang. Ich weiß nicht, wie ich jemals auf die Idee kommen konnte, 600 Kilometer in Vietnam mit dem Bus zurückzulegen! Man ist eingepfercht in seinen Sitz, und wenn man "Glück" hat, wie ich neben Einheimischen zu sitzen, kann man sicher sein, den größten Teil der Fahrt allenfalls Zweidrittel seines eigenen Sitzes für sich zu haben. Da nützen alle bösen Blicke nichts, die gehen im Dunkeln ins Leere, Ellenbogen ausfahren hiflt nicht, Rempeln, Raeuspern, alles zwecklos. Die Menschen kennen halt keine Beruehrungsaengste, haha.
Und dann die Strecke: Es ging zwar die Küstenstrasse, den Highway No. 1, entlang, aber vom Gefühl her würde ich sagen, wir sind größtenteils Buckelpiste gefahren. Denn die Busse hier machen, habe ich zumnidest tagsüber miterlebt, nicht Halt vor großen Löchern und staubigen Pisten.
Naja, zu guter Letzt sind wir dann doch angekommen und ich habe ein nettes Hotel in Strandnähe gefunden, wo ich mich erstmal ausschlafen konnte.
So, habe ich ein Verkehrsmittel vergessen? Nein, denn den Zug habe ich glaube ich in der letzten Mail erwähnt. Das war im Vergleich zum Bus das Paradies auf Erden, wenn auch noch langsamer... (560 Kilometer in 13 Stunden).
Egal, alles jedenfalls ein Erlebnis für sich und wenn ich da was ausgelassen hätte, wäre der Urlaub unvollständig. Morgen also das Flugzeug, dann bin ich für drei Tage in Saigon und werde mich dann den Mekong per Boot in Richtung Kambodscha bewegen.
(c) Nina C. Zimmermann 2006
aktualisiert im Mai '11